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Pro Tools für Musikproduktion

 

Pro Tools für Musikproduktion

Pro Tools als DAW (Digital Audio Workstation) für PostPro, Recording und Mixdown ist fast schon ein Industriestandart. Wenn es aber um kreatives Musik-machen inklusive MIDI und (Soft-)Synths geht, hat diese Software einen eher bescheidenen Ruf. Ich habe 2014 begonnen Pro Tools als mein „Default“-Workstation für alle Produktionsbereiche zu verwenden, weil ich mit den ewigen Bugs, dem neuen Look und plötzlich fehlenden Funktionen in Logic X nicht mehr arbeiten wollte. Nach zwei Jahren intensivem Arbeiten auch im Bereich arrangieren und mit den Midifunktionen von Pro Tools 11/12, ein kurzes, subjektives Fazit.

Erste Schritte

Die Installation der Software samt Account bei Avid anlegen war durchaus eine Herausforderung. Auch das I/O Setup zu durchschauen war anfangs nicht ganz ohne. Hier stellte sich aber schnell heraus, dass grundsätzlich für (fast) alle Probleme eine Lösung im Internet zu finden ist (Stichwort Avid Community). Bei meinen ersten Aufnahmen fiel mir auf, dass die Software sehr direkt und akkurat auf sämtliche Eingaben - sowohl per Maus als auch über externe Controller reagiert.

Allgemeines

Pro Tools ist in vielen Details sehr logisch und klar. Liegen beispielsweise zwei Audio-Files übereinander, höre ich genau das, was ich an Wellenformen sehe. Das gilt auch für Fades und Midi-Bearbeitung. Die Shortcuts sind grundsätzlich nicht veränderbar, was die Zusammenarbeit mit anderen Engineers erleichtert, da alle dieselben benutzen müssen. Brauche ich zusätzliche Tastaturbefehle, kann ich mir diese über das "SystemPreferences/Keyboard/Shortcuts" -  wie für jedes andere Programm auch - selbst definieren. Generell läuft Pro Tools 10/11/12 sehr stabil und hat verhältnismäßig wenig Bugs, die mit der Zeit auch behoben werden (hätte ich mir bei Logic auch gewünscht, z.B bei der Automation). Allerdings kommt es mit manchen RAM-hungrigen Instruments manchmal zu Abstürzen, die ich nicht ganz nachvollziehen kann.
 
Im Workflow spezielle bei Post Pro ist die Software für mich unschlagbar, da sie so viele kleine Features bietet, die oft immens Zeit sparen. Hier möchte ich als Beispiel die Stapelbearbeitung von Fades und die genialen Offline-Bounce Funktionen (Commit, Bounce, Freeze) erwähnen.
 
Zum Im- und Exportieren von Schnittlisten von/zu anderen DAWs funktioniert AAF sehr zuverlässig. Einzig mit Cubase funktioniert nur OMF und selbst das meistens nicht richtig. Hier musste ich ein OMF Projekt aus Cubase exportieren, dann zuerst in Logic öffnen und von dort als AAF exportieren. Dieses AAF läßt sich dann problemlos in Pro Tools öffnen.

Sound

Ich bin auf Pro Tools während eines Albummixes umgestiegen, da Logic gerade wieder mal verrückt spielte. Später fragte mich mein Mastering Studio, warum die erste Hälfte der Songs so flach und klein klingt. Auch ich habe bis heute den Eindruck, dass meine Mixes selbst bei einer großen Anzahl an Spuren sehr transparent und plastischer bleiben. Der Sound ist knackig und sehr detailreich.
Auch die Onboard Plug-Ins sind nicht immer optisch ansprechend, aber durchaus von sehr guter Qualität.

MIDI

Pro Tools scheint auf den ersten Blick große Schwächen im Bereich MIDI zu haben. Bei genauerem Hinsehen ist aber sehr Vieles vorhanden, funktioniert aber oft anders als gewohnt und ist nicht immer leicht zu finden. Beispielsweise die Echtzeitmodifier (Transpose, Velocity-OIffsets, Delay,...) kann man nur als Floating Window öffnen, das dann leider immer im falschen Moment verschwindet. Behelfen kann man sich aber mit den „Screensets“. Sie sind schnell zu konfigurireren und beschrift- und speicherbar. Per Shortcut kann man zwischen ihnen einfach und schnell wechseln. Ich habe beispielsweise eigene Screensets für alle wichtigen MIDI-Funktionen, fürs Editieren, fürs Mischen, für den Import von Sounds und für oft benötigte Audio-Suite Funktionen. Gewöhnungsbedürftig ist auch, dass man Audio- und Midi Regions oft mit denselben Funktionen bearbeiten kann (z.B. quantisieren). Das Midi Timing ist übrigens vorbildlich!

Audio Suite

Hiermit kann man Effekte direkt in eine Audio-Region einrechnen lassen. Ich verwende dieses Feature z.B um Tape-Emulationen gleich in Drumspuren einzurechnen oder zu Sounddesign von Filmgeräuschen. Je nach Einstellung können mehrere Regions zu einem durchgehenden File zusammengefasst werden oder alle Schnitte inklusive Fades erhalten bleiben... ein echter Time-Saver beim Sounddesign!

Elastic Audio und Beat Detective

Beat Detective zerschneidet Audio Files anhand von Transienten , die ich dann wie Midi quantisieren kann. Die Erkennung funktioniert vorbildlich gut und arbeitet bei Bedarf auch phasen-syncron, zB für Drum Edits. Fades können auf Wunsch automatisch gesetzt werden. Diese Funktion lässt sich übrigens auch bei allen anderen Schnitten verwenden.
Beat Detective


Elastic Audio analysiert das Material auf Tempo und Tonhöhe. Einmal analysiert folgen die Spuren immer dem Sessiontempo. Auch Tonhöhen können dann wie bei Midifiles verändert werden. Das könne zwar viele DAWs, aber bei Pro Tools sind Transientenerkennung und Klangqualität außergewöhnlich gut.

Organisation von Sounds/Settings

In eigenen Fenstern (Workspaces) kann man sich Aliase von seinen Sound(-effekt)Bibliotheken anlegen, die dann nach allen möglichen Kriterien sortiert und durchsucht und vorgehört werden können. Zieht man ein File aus dem Workspace, wird es auch gleich in den aktuellen Sessionordner kopiert. Diese Funktion ist grundsätzlich sehr praktisch, wenn man große Mengen an Geräuschen, Settings oder anderen Daten zu verwalten hat. Im Detail ist sie aber etwas kompliziert und das Updaten von neu hinzugefügten Files funktioniert teilweise sehr schlecht. Auch die Funktion „Update Index“ hilft hier nicht immer.

Diverses

Sollte man versehentlich Audiofiles vollständig gelöscht haben, sind sie im Mac OS so gut wie nicht mehr wiederherstellbar. Pro Tools „stempelt“ aber jedes File mit einer „Unique ID“. Nach dem Löschen sind diese Metatags immer noch in den namenlosen Files vorhanden und können gesucht und neu zugewiesen werden. So konnte ich bereits mehrmals irrtümlich gelöschte Sessions wiederherstellen.
 
Mann kann in Pro Tools leider keine Mixer oder Kanalzüge abspeichern, aber aus anderen Sessions Kanäle und andere Settings importieren. Mische ich beispielsweise ein Album einer Band mit immer dem selben Drumset, kann ich die Mixereinstellungen aller Kanäle aus einer anderen Session in einem einzigen Arbeitsschritt importieren. Hier gibt es sehr detailierte Importmöglichkeiten (alles inklusive Audio-/Midifiles, PlugIns, Automationsdaten, Routing, Sends,...) - nicht immer einfach aber, aber fast alles machbar.

Fazit

Im Bereich Professionalität, Klangqualität und Arbeitsgeschwindigkeit ist Pro Tools absolut top. Wer allerdings eine Anfänger-DAW sucht, sollte eher zu anderen Produkten greifen.
 
Leichte Abstriche im Vergleich zu Cubase oder Logic muss man im Bereich MIDI-Funktionen machen, wobei manche Funktionen oft nur gut versteckt sind. Dafür funktioniert das Quantisiern von Audio-Files mit Beat Detective und Elastic Audio großartig. Der Austausch von Daten und das Organisieren von Sounds samt Suchfunktionen ist nicht immer einfach, aber auch hier werden viele Möglichkeiten geboten, die nicht nur in der Post Pro sehr hilfreich sind.

Über Feedback, Anregungen und Kommentare zu diesem Thema freue ich mich wie immer.

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