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Naturdrums im Mixdown

Zu diesem Thema gibt es genau so viele Meinungen, wie Mixdown Engineers. Ich möchte hier ein bißchen über meine persönliche Herangehensweise schreiben.

Zuerst ein paar allgemeine Gedanke. Ein durchschnittlicher Spurenplan wird ungefähr so aussehen:
Bassdrum(BD) innen, BD aussen, Snare(SN) top, SN bottom, HiHat (HH), Tom 1-3, Overhead Micros (stereo), Raum Micros (Stereo).

Sollen die Drums eher natürlich und "unprocessed" klingen (z.B Akustik Pop), beginne ich mit Overheads und Raum Micros. Sind danach Instrumente zu leise oder nicht druckvoll genug, bearbeite ich die entsprechenden Einzelspuren und mische sie vorsichtig dazu. Möchte ich hingegen, dass mein Set stark bearbeitet  oder elektronischer klingt, bearbeite ich zuerst die Einzelinstrumente mit allem nötigen (EQ, Compressor, Limiter, Verzerrer, Bit Crusher, Phaser,...). Die teilweise ebenfalls stark bearbeiteten Overheads und Raum Mics verwende ich eher nur um die Becken zu hören und um etwas mehr Zusammenhalt zu bekommen.

Vorarbeiten

Vor dem eigentliche Mix sollten unbedingt alles Drum Edits abgeschlossen sein. Beispielsweise schneide ich die Tomspuren gerne von Hand sauber, da diese oft nur wenig gespielt werden. Dadurch erspare ich mir Gates und die damit fast immer verbundenen Fehltrigger. Weiters gleiche ich die Phasenlage der Einzelspuren (BD, SN, Toms, HH,..) durch händisches Verschieben an die Overheads an.

Ich rechne auf alle Drumspuren vorab ein Bandsättigungs Plug-In, falls sie nicht ohnehin auf Band aufgenommen wurden. Drums lieben Sättigung. Sie verlieren dabei Transienten und einen Hauch Höhen. Dadurch klingen sie im Mix fetter und größer. Eine Kopie der jeweiligen Tracks liegt aber immer parallel dazu in meiner Mix Session, damit ich später auch die unbearbeiteten Spuren verwenden kann.

Auch virtuelle Mischpult-Kanalzüge (zB NLS von Waves oder VCC von Slate Digital) helfen, dem Drumset mehr Kompaktheit und "analogen" Punch zu verleihen.

EQ/Compressor/Sättigung

BD:
Es hat sich bewährt, BD innen und BD aussen auf einen Mono(!) Bus zusammenzufassen, da ich dadurch beide Micros gleichzeitig bearbeiten kann. Starkes Absenken zwischen 200 - 500 Hz macht BDs im Mix durchsichtiger. Starkes Übersprechen der SN reduziere ich mit einem Gate, dass aber nicht ganz schließt, sondern nur um ca. 10-15 dB absenkt. Laute Anschläge werden zuerst mit einem Limiter abgefangen, dann (falls notwendig) komprimiert, denn limitiert man zuerst, arbeitet der nachgeschaltete Kompressor unauffälliger.

SN:
Auch hier alle Einzelsignale auf einen Monobus routen. Mit dem EQ zuerst mumpfige Frequenzen ziehen, dann erst den Klang bearbeiten. Limiter und Kompressor wie bei der BD verwenden. SNs lieben oft auch leichte Verzerrung z.B durch einen Overdrive. Auch mit einem Transienten Designer kann man die Attack abschwächen. Zu wenig Transienten können hier natürlich auch durch Anheben korrigiert werden; das ist aber in der Praxis eher selten und deutet oft auf Fehler beim Recording hin.

HH:
Diese Spur wird im Mix nicht immer benötigt, da die HH in den Overheads und Raum Micros oft präsent genug ist. Ist das Übersprechen der SN hier zu laut, triggert man die Sidechain eines Kompressors mit dem SN-Signal. Dadurch wird jeden SN Schlag reduziert. Eventuell Höhen anheben, falls nötig.

Toms:
Toms sollte man immer zusammen mit den Overheads und Raum Micros hören. Mit dem EQ kann man den Anschlag der Sticks bei 5-8 kHz anheben oder zu laute Resonanzen besonders bei den kleinen Toms absenken. Ich nehme manchmal bei 1 kHz ein wenig raus, damit die Toms größer klingen. Sind sie zu kurz, sollte man sie komprimieren. Transient Designer und Overdrive können auch hier ganz nützlich sein.

Overheads(OH):
In die Overheads greife ich nur ein, wenn es wirklich notwendig ist. Man sollte zuerst verschiedene Lautstärken ausprobieren. Achtung - zu viele Höhen auf den OH machen das Drumset schnell klein und billig! Parallelkompression ist manchmal hilfreich.

Raum Micros:
Hier greife ich oft sehr kräftig ein. Verzerrung und Komression geben dem Gesamtsound mehr "Fleisch" ...das sagt ein Vegetarier ;-))
Wird alles zu matschig oder zu knallig, ziehe ich ab und zu bei 200 Hz bzw. 800 Hz etwas heraus. Diese Spur 20-30 ms nach hinten schieben, klingt machmal sehr cool nach leichtem Slapback-Echo.

Reverb/Räume/Delay

Grundsätzlich hängt der Einsatz von Verzögerungseffekten von der Stilistik ab. Im Indierock sind eher kleine Räume angesagt, für Stadionrock eher größere Halls. R&B mag es "staubtrocken" und Psychodelic-Rock aus den 70s auch schon mal Delay auf der SN und einen langsamen Phaser auf der Summe ;-)

BDs mögen Hall nur in sehr kleinen Portionen, dafür helfen starke Early Reflections(ER), im Mix definierter zu klingen. Mann sollte aber mit einem LowCut-Filter die Bässe des Halls etwas reduzieren. SNs lieben viel Reverb, auch mehrere gleichzeitig. ER helfen, sich im Mix durchzusetzen, kleine Räume bringen die SN hinter die Stimme und Plate-Reverbs passen generell immer gut. Die HH zu verhallen ist eher selten notwendig. Toms wiederum sollten nicht zu trocken sein, wenn mann sie groß und mächtig mag. OH und Raum Mics sollten unverhallt bleiben, außer der Gesamtsound ist zu trocken oder der Aufnahmeraum war zu klein.

Summenbearbeitung/Sound Design

Ich schicke gerne alle Drums auf einen Post-Fader Auxweg und bearbeite diesen Parallel-Bus nochmal sehr kräftig mit Sättigung/Verzerrung/Kompression. Das "zerstöhrte" Singal mische ich dann je nach Stil mehr oder weniger laut dazu, um die Drums im Mix noch mehr "anzufetten". Wie oben schon erwähnt kann leichte Verzerrung auch auf den Einzelspuren - besonders auf der SN - gut klingen.

Den Transient Designer möchte ich hier nochmals zum Abschwächen oder Verstärken der Attack vom Drums erwähnen. Auch der Sustainregler bringt manchmal klanglich sehr interessante Ergebnisse.

Möchte man Naturdrums einen leicht elektronischeren Anstrich verpassen hilft der Bit Crusher besonders auf SN, HH und OH. Es werden hierbei auch feine Obertöne weiter nach unter gebracht, was roher wirkt.

Wenn man keine Summenkompression am Mixbus verwendet, sollte man alle Drums auf einen eigenen Drum-Bus routen und nochmlas komprimieren. Hierzu eignet sich der API 2500 oder ein SSL Buskompressor ( auch als Plug In) sehr gut. Mein Kochrezept für Dummies:

Attack 1 ms, Release 1/8 Note, Ratio 4:1, Gain Reduction 3-4 dB, Pegel ausgangsseitig leicht anheben

Zum Abschluß

Da  Drums mischen lange duaern kann, sollte man sie zwischendurch immer wieder im Zusammenhang anderen Spuren des Songs hören und NIE vergessen, Pausen zu machen! Schlagzeug ermüdet die Ohren sehr schnell.

Ich hoffe, dass ich mich trotz der Komplexität des Themas weitgehend verständlich ausgedrückt habe. Fragen bitte per Email an mich oder als Kommentar unter dem Blog. Wie immer freue ich mich sehr über Feedback und Anregungen. Bitte nicht schüchtern sein!

 

 

Kommentare (5)

  1. Gernot Huber:
    23. Aug. 2016 um 04:55 Uhr

    Großartiger Blog - vielen Dank das du uns über die Schulter schauen lässt :-) LG Gernot :-)

  2. Michael Wiesinger:
    23. Aug. 2016 um 06:17 Uhr

    Sehr gut, gefällt. Da sind einige Sachen dabei die ich in nächster Zeit mal ausprobieren möchte. Im Internet tauchen auch einige Interessante Blogs zu Drum Aufnahmen mit sehr wenigen Mics auf. Oft nur bis zu 4 Stück. Hast du diesbezüglich Erfahrungen gesammelt?
    lg Michael

  3. Oliver Kerschner:
    12. Okt. 2016 um 06:16 Uhr

    Hi Michael,
    sorry, aber ich habe deine Frage total übersehen...daher die extrem verspätete Antwort. Ich benütze normalerweise ca. 10-14 Mics auf Drums. Das bedeutet aber nicht, dass ich alle im Mix verwende. Je mehr Microfone, desto mehr Phasenprobleme - ein altbekanntes Thema.

    Ich habe mal für eine gefakte Liveaufnahme ein Stereomicro mit ca. 2-3m in Abstand in 1m Höhe vor das Set gestellt, dazu ein Mic in die BD (AKG D112) und eines auf die HH, weil sie zu leise war. Hat gut funktioniert und nicht zu perfekt geklungen. Die SN war laut genug und klang sehr "live". Toms waren ok.

    Die Boneham Methode mit drei Micros habe ich auch probiert, hat aber nicht sonderlich gut funktioniert.

  4. Tommytab:
    10. Jan. 2017 um 09:52 Uhr

    Hallo liebe Leute, durch Zufall bin ich hier auf eure Seite gestoßen. Sehr informative Beiträge und interessante Inhalte.
    Eventuell ist mein Blog zum Thema Flecken entfernen für euch interessant, bei dem es die Entfernung jeglicher Varianten von flecken geht.
    Egal ob Blutflecken oder Rotweinflecken, mit den richtigen Tipps bekommt man wirklich alle flecken weg, auch ohne Chemie.

    Liebe Gruesse,

    euer Tommy

  5. Herbertcot:
    12. Jan. 2017 um 12:10 Uhr

    Hallo,

    interessante und informative Beiträge hier, super. Habe längere Zeit als stiller Gast nur mitgelesen und mich jetzt mal angemeldet.
    Ich würde mich freuen, wenn ihr bei Gelegenheit auch einmal auf meinem Blog zum Thema Textilreinigung vorbeischauen würdet.

    Alles Liebe

    Herbert


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